Wir verlassen unser Hotel in Osch. Mike hatte Probleme mit der Klima, aber eine Nacht im Hotel unter 3000m hat uns allen gut getan. Jetzt sind es noch 2000km in die Mongolei. Ein Kraftakt, denn in Kirgistan und Kasachstan haben wir nicht wirklich Zwischenziele und wir fiebern nur noch der Mongolei entgegen.
Wir quetschen uns also ins Auto. Man ist das Staubig. Schnallen uns an und plotten einen Kurs. Wir wollen die Straße im Landesinneren nehmen, da wir vermuten das sie landschaftlich schöner ist. Die ersten Polizisten am Straßenrand überrumpeln wir, sehr gut, denn gestern hatten wir wieder etwas für die Kaffeekasse geben müssen.
Die Strasse ist gut und wir fahren Schnur stracks in die Berge hinein. Irgendwann findet Google Maps das wir nicht mehr ganz auf der Straße sind, auf der wir eigentlich sein sollten. Hey was soll, die Richtung stimmt.
Mike meint, dass hier sehr viele 30er Schilder stehen. Wir ignorieren sie erstmal. Aber irgendwie ist es schon komisch, die Straße ist gut ausgebaut, es fahren aber nur wenige Autos. Wir treffen Bauarbeiter. Die breite Straße geht weiter und keine Menschenseele weit und breit. Dann doch. Ein Reiter. Eine Kuh. Und wieder Nichts.
Hmmm, jetzt treffen wir schon ein ganze Gruppe von Bauarbeitern und Baumaschinen. Alle gucken, aber das sind wir gewöhnt und gucken zurück. In Grenzgeschwindigkeit teilen wir die Gruppe, wie Moses das Meer. Die Straße ist immer noch da.
Ein paar Kurven weite passieren wir eine Asphaltiermachine. Die Straße ist nur mehr zur Hälfte da. Wieder ein paar Kurven weiter werden wir auf die andere Spur geleitet. Jetzt gibt es noch unsere Schotterfahrbahn und das Kiesbett für den Asphalt auf der anderen Fahrbahn.
Wie werden eigentlich so Gebirgsstrassen gebaut? Von einer Seite oder von zwei. Oder vielleicht erstmal eine Schotterstrasse von einem Ende zum Anderen und dann Asphalt drauf. Wir hoffen auf letzteres und beschließen so weit zu fahren bis nichts mehr geht oder uns jemand aufhält.
Die Straßen werden schlechter, aber alles nichts im Vergleich zum Pamir, darum fühlen wir uns auch noch wohl. Ups, da ist wohlein Teil der Strasse wieder verschüttet worden. Pff, kein Problem das kennen wir.
Und dann kommt die nächste Kurve und und der Blick auf unberührte grüne Berghänge wird frei. Sagenhaft. Wären da nur nicht diese blauen Maschinen und Container die Stück für Stück eine Straße in den Hang schlagen. Moment. S.H.I.T.
Eine Stunde hin und eine zurück, heute wird es wohl auch wieder spät. Wir fahren zurück an die Stelle an der wir uns verfranst haben. Eine echt gemeine Stelle an der wir eine 90° Grad Abzweigung, von der Schnur geraden Hauptstraße in eine Nebenstraße, hätten nehmen müssten.
Hätten. Könnten. Daraten. Wir bleiben nun peinlich genau auf der Google Maps Route und alles ist gut.
Fast. Ein paar km der neuen Strasse entlang beginnt eine Schotterstrasse. Mir fällt die Kinnlade runter, wir haben echt alle keinen Bock auf das Gerümpel. Wir hatten unseren Spaß am Pamir, das trägt bis in die Mongolei. Hoffentlich ist es nur temporär. Wir sehen wieder schöne Landschaft. Einen Reiter. Eine Kuh. Und nach einer Weile finden wir das es genug ist und drehen um.
Eine Stunde hin und eine zurück, wir schaffen es heute nicht mehr. Am Abend werden wir lesen, das es anderen Teams ähnlich ergangen ist, wir wissen aber nich ob die auch die neue Straße genommen haben oder ob die Schotterstrasse auch eine Sackgasse ist.
Wir plotten einen neuen Kurs auf der nördlichen Route und setzen als unser neues Tagesziel das Kepemet Resourt. Eineinhalb Stunden bis dort hin. Jetzt ist es 16:00. Vielleicht wird es doch noch ein früher Abend. Das Resourt hat sicher einen Pool und vielleicht wird am Abend gegrillt. Ich will ein halbes Schwein.
Wir kommen in Kochkor-Ata an. Das Navi zeigt uns erst nochmal die Stadt und dann die Einfahrt in das Kurhotel Kepemet. Die Leute dort sind nicht so ganz auf Gäste wie uns eingestellt aber der junge Portier ruft die Rezeptionistin aus dem Feierabend zurück.
Wir kaufen zwei Zimmer und folgen der Rezeptionistin, die ihre kleine Tochter im Schlepptau hat und schwanger ist, einmal quer durch das Gelände zur Küche. "come on let's go" waren ihre Worte. Das Zimmer ist Vollpension. Den Zimmerschlüssel gibt es in einem kleinen Büro, gleich neben dem Speisesaal. Und dann wieder "come on let's go" einmal quer durchs Gelände. Angekommen, Zimmer auf und hoppla das ist ja belegt. Also gut "come on let's go" einmal quer durchs Gelände zurück ins Büro. Ich hoffe das viele gehen bekommt den Baby.
Neuer Schlüssel neues Glück. Abet in unserem Fall ist das zweite Zimmer auch belegt. Die Rezeptionistin gibt auf und wir sollen unseren nächsten Schlüssel von einem Mann in OP-Klamotten (wie in SCRUBS) bekommen. Wir erfahren später, daß er der Bruder der Rezeptionistin ist und daher verwundet auch nichr was als nächstes kommt. "come on let's go" einmal quer übers Gelände zum Büro. Dort bekommen wir den nächsten Schlüssel. Felix und Martin gehen essen. Mike zum Auto und dann ins Zimmer. Wir schlingen unser Essen hinunter zum einen weil wir Hunger haben zum anderen weil es im Speisesaal heiss ist und nach Fisch riecht obwohl es Hühnchen gibt.
Plötzlich kommt Mike bei der Tür rein, er schaut "not amused". Das Zimmer ist wieder belegt. Das dritte Mal. Nur jetzt ist keiner mehr da! Wir wandern umher auf der Suche nach - na ja irgendwem und stellen nach einer Weile den Mann im OP-Gewand in einem Seitengang. Wir können nicht russisch er nicht deutsch. Schwierig. In Zeichensprache erklären wir ihm das wir gerne mit der Schwangeren sprechen wollen. Das war fast zu einfach zu zeigen. Jetzt erfahren wir auch das sie seine Schwester ist. Nach etwas hin und her holt er einen neuen Schlüssel und "come on let's go" einmal quer durchs Gelände. Mike verspricht alle möglichen Dinge wenn das nun wieder nicht klappen sollte, aber es klappt wir drei schlafen in einem 5er Zimmer und es ist erst 19:00.
Am Morgen gibt es dann heißen Tee im heißen Speisesaal zusammen mit Milchreis. Felix und Martin essen alles auf. Mike schwächelt.
Wir machen uns ein zweites Mal auf den Weg nach Bischkek.